Geany ist eine leichtgewichtige IDE für viele Programmiersprachen und läuft auch unter Windows. Die Bedienung ist einfach gehalten und die wichtigen Funktionen wie das Compilieren oder Starten der Programme passt sich automatisch an den jeweiligen Dateityp an. Geany zeichnet sich vor allem durch kurze Startzeiten und geringen Speicherverbrauch aus, wodurch es für das Konzept von AVRLinux wie geschaffen ist. Trotzdem bietet es fast alle wichtigen Funktionen.
Unter Ubuntu lässt sich Geany wie immer über Synaptic oder den Software Center installieren. Es empfiehlt sich, auch die Plugins mit zu installieren. In der Konsole reicht der folgende Befehl, um Geany mit allen Plugins zu installieren.
sudo apt-get install geany-plugins
Man kann verschiedene Plugins im Plugin Manager aktivieren oder deaktivieren und Einstellungen vornehmen. Den Plugin Manager öffnet man über das Menu Werkzeuge→Plugin Manager
Das Addons Plugin enthält gleich vier einfache, aber nützliche Funktionen.
Aktiviert man dieses Plugin kann man den Editierbereich horizontal oder vertikal unterteilen. Man kann die Funktion über das Menu Werkzeuge→Fenster teilen aufrufen
Das Plugin Speicheraktionen bietet verschiedene Optionen rund um das Speichern von Dateien.
Am besten funktioniert Geany, wenn man mit Makefiles arbeitet. Darauf ist die IDE ausgelegt. Man erstellt wie gewohnt ein Makefile, um das Projekt zu compilieren und mittels make program das Programm mit avrdude in den Controller zu laden. Am besten verwendet man das vorgefertigte Makefile aus dem AVR-GCC Tutorial
Um ein Projekt zu compilieren klickt man als erstes auf den kleinen Pfeil neben dem „Ziegelstein“ und wählt make all. Dies ruft den entsprechenden Befehl auf und compiliert das Projekt. Will man nach einer Änderung erneut compilieren reicht es, direkt auf den „Ziegelstein“ zu klicken. Er merkt sich die letzte ausgewählte Aktion.
Um das Projekt aufzuräumen muss man den Befehl make clean ausführen. Hierzu klickt man wieder auf den Pfeil und wählt Make (eigenes Target). Es öffnet sich ein Fenster. Dort gibt man den Parameter clean ein. Der „Ziegelstein“ merkt sich diese Aktion wieder, so das weitere Klicks darauf make clean ausführen.
Wenn man das Programm in den Mikrocontroller laden will verwendet man make program. Man kann dabei genauso vorgehen wie bei make clean, also make mit einem eigenen Target ausführen.
Eine zweite Möglichkeit besteht darin, den Befehl zum Ausführen des Programms anzupassen. Dazu klickt man wieder auf den Pfeil und wählt Kommandos zum Erstellen konfigurieren.
In der Zeile _Ausführen gibt man den Befehl make program ein. Anschließend kann durch einen Klick auf die „Zahnräder“ der Befehl ausgeführt und das Programm in den Controller geladen werden.
Möchte man den Controller löschen kann man das auch über das Makefile machen. Hierzu fügt man folgende Zeilen in das Makefile ein, am besten unter das Target program: (etwa bei Zeile 335).
# Erase the device.
erase:
$(AVRDUDE) $(AVRDUDE_FLAGS) -e
Anschließend kann man einen Chip Erase ausführen, indem man wieder Make (eigenes Target) aufruft und als Target erase eingibt.
Die Standard Tastenkürzel zum compilieren und Programmstart sehen so aus:
Man kann die Tastenkürzel auch anders belegen unter Bearbeiten→Einstellungen→Tastenkürzel
Wenn man Autocomplete etwas sinnvoller nutzen möchte sollte die entsprechende(n) Header Datei(en) in Geany öffnen. Geany durchsucht alle offenen Dateien nach passenden Defines und bietet sie als Autocomplete an. Zusätzlich kann man mit einem Rechtsklick→Gehe zur Tagdefinition die entsprechende Stelle in der Header Datei schnell finden.
Die Header Dateien findet man bei Ubuntu unter
/usr/lib/avr/include/avr