Edelschrott

Die meisten Menschen werfen defekte Geräte einfach weg. Wir nehmen sie auseinander und schauen, was davon noch zu gebrauchen ist. Hier soll eine Liste entstehen, aus welchem Gerät man welches edle Teil bergen kann.

Identifikation der Bauteile

Gerade im Fall von ICs ist es wichtig zu wissen, welche Funktion der Baustein überhaupt hat und wie man ihn verwenden kann. Da es Fantastillionen von IC-Typen mittlerweile gibt und in vielen Geräten ASICs arbeiten (das sind sogenannte applikationsspezifische integrierte Schaltungen, die eine Sonderfunktion erfüllen, die meist nur im Kontext des jeweiligen Geräts sinnvoll ist, und die nach Anforderungen des GEräteherstellers speziell für einen Gerätetyp entwickelt worden sind), kann man nicht erwarten, jedes IC auch tatsächlich nutzen zu können.

Es gibt aber eine große Menge Standard-Bauteile, die von verschiedenen Herstellern gefertigt werden und die gleichen Eigenschaften haben. Ein Beispiel ist der Operationsverstärker 741. Dieser Typ wird von verschiedensten Herstellern gefertigt und kann sich im Namen geringfügig unterscheiden. Beispiele sind LM741, µA741, SA741 etc. Hauptaugenmerk ist daher auf die Ziffern der Bauteilbezeichnung zu legen. Die Präfixe wie z. B. „LM“ identifizieren den Hersteller.

Wichtigste Informationsquelle bei der Suche nach technischen Daten ist das Datenblatt des Bauteils. Dieses lässt sich heutzutage über das Internet beziehen. Auch hier ist Google dein Freund. Einfach 741 datasheet eingeben und man wird in der Regel fündig.

Es gibt bestimmte Klassen von Bauteilen, wie zum Beispiel Familien von ICs mit Logik-Funktionen. Die Bauteile dieser Klassen sind durch gemeinsame Zahlencodes in der Bezeichnung gekennzeichnet. Da lohnt es sich dann zu wissen, dass 74HC beispielsweise bei allen Herstellern eine CMOS-Logikfamilie ist, die mit 5 V betrieben werden kann und eine bestimmte Geschwindigkeit hat.

Mit diesem Wissen lassen sich viele nützliche Bauteile identifizieren. Es lohnt sich auch das Studium von Elektronik-Zeitschriften wie z. B. der Elektor, da in den Bauvorschlägen bestimmte Klassiker immer wieder drin sind und man sich an die Bezeichnungen gewöhnt.

Netzwerkkarten / Modems

  • Einen 5V→9V DCDC Wandler (auf alten BNC-Karten)
  • Sonstige Übertrager
  • RJ-45 / RJ-11-Buchsen
  • 15-polige SUB-D-Buchsen
  • Hochspannungskondensator 1-2 kV mit ein paar Nanofarad (in der Nähe der RJ-45-Buchse)
  • Optokoppler / Reed-Relais

CDROM/DVD

  • Abgesehen von dem Laser, kann man diese kleinen Spulen sicher gut gebrauchen, die den Laser hoch und runter bewegen zum fokussieren.
  • Der Schlitten auf dem der Laser sich beweget ist auch nicht ohne. Man kann ihn dank der feinen Mechanik sehr genau positionieren.
  • Ein Kopfhörerverstärker
  • Ein prima bürstenloser Motor, z.B. für Modellflug

Festplatten

Elektronikteile:

  • Motortreiber-ICs
  • Hochleistungs-MOSFETs
  • Die Positioniereinheit für den Lese/Schreibkopf.

Mechanik:

  • Kugellager
  • sehr starke Magnete

Scanner

CCD Sensor mit Elektronik aus einem Handscanner Elektronikteile:

  • Hier gibt es Schrittmotoren und Lichtschranken
  • oftmals schnelle SRAM-Speicher
  • Motortreiber
  • CCFL-Röhre mit Hochspannungserzeugung (lässt sich mit etwas Reverse-Engineering wieder in Betrieb setzen)
  • CCD Sensor

Mechanik/Optik:

  • oberflächenverspiegelte Spiegel (gut für Laser)
  • Linsen
  • Das ausgeschlachtete Gehäuse ist der „Klassiker“ für selbstgebaute Platinenbelichter. Die Röhren aus einem Gesichtsbräuner einbauen, evtl noch eine Timerschaltung, und es kann belichtet werden.
  • eine stabile und präzise gefertigte Metallstange

Drucker

  • Hier hier sind Schrittmotoren und normale Motoren verbaut.
  • Der Schlitten auf dem sich der Druckerkopf bewegt sollte hier auch erwähnt sein.
  • Lichtschranken
  • optische Encoder (z. B. Agilent Q9846)
  • möglicherweise ein Schaltnetzteil
  • Temperatursensor LM35 im HP 695
  • Einige Drucker haben externe Netzteile mit relativ hohen Spannungen (30 V bei einigen HP-Geräten).

Kopierer

Laser, Ablenkspiegel, Spiegel, Belichterrolle Elektronikteile:

  • Ein Laser komplett mit Elektronik.
  • 4 Gabellichtschranken
  • Mehrere (Sharp) Processoren und Quarze

Mehrere Spannungswandler also

  • Leistungstransistoren
  • Leistungsübertrager, dicke Kondensatoren (400V 56micoF, 35V 1000microF), Dioden
  • Hochspannungs Diode und Widerstände (250MOhm 4cm lang)
  • 3fach 7-Segment Anzeige oder höher mit LEDs, Taster
  • Heizröhre
  • CCD Zeile, Leuchtstoffröhre

Mechanik/Optik:

  • Diverse lange dünne Spiegel
  • Mehrere Wellen teilweise mit Gummiüberzug
  • starke Schrittmotoren mit Schrittmotortreiber
  • Ein Motor ähnlich denen in Festplatten mit 24V und 11811rpm. Der Ablenkspiegel.
  • Hubmagnet, Federn, Zahnräder, Schrauben ;)

Mainboards

Hier sind die alten Modelle die besten. 286-Mainboards enthalten teilweise noch gesockelte Logik-ICs der 74er Serie. 486-Mainboards enthalten Cache-SRAM, meist gesockelt als 28-Pin-DIL-IC. Das sind zumeist sehr schnelle SRAM-Speicher mit Zugriffszeiten zwischen 35 und 15 ns. Ideal für schnelle µController, wie zum Beispiel die AVRs mit Speicherinterface.

  • Ein paar Spulen und ggf. Spannungswandler, Spannungsregler (auf älteren Mainboards sind starke Low-Drop-Regler zu finden wie der LT1084 etc.)
  • Quarze (meist 14,318 MHz und Digital-Audio-Quarze mit Frequenzen wie 24,576 MHz, wenn eine Soundkarte onboard ist, 25 MHz bei integrierter Netzwerkkarte)
  • Der Temperatursensor unter der CPU
  • Mäuseklaviere / Jumper
  • Diverse Stecker (USB/ Firewire/ PS/2 (sechspoliger Mini-DIN-Stecker)/ SUB-D 9-polig, 15-polig, 25-polig/ 3.5mm Klinke/ RJ45 für Ethernet)
  • Flash-ROM (der Speicher für das BIOS), ließe sich mit passendem Programmiergerät in µC-Schaltungen einsetzen

Videorecorder

  • Bei aelteren VRC kann man sich einfach den TV-Modulator ausbauen. Das ist ein kleines Kaestchen, dass mit dem TV Ausgang verbunden ist. Die alten haben ein Chincheingang fuer das Videosignal und 5 Drähte. +,-,Audioin, Audiomasse, bzw 2. Audiosignal, bzw 5V oder 12V. Aber nicht unbedingt in diese Reihenfolge.

Welcher Draht welche Funktion hat, laesst sich ganz leicht herausfinden, indem man das Kaestchen aufmacht und sich die Schaltung darin anschaut. Lacht nicht ;) ich hab das so gemacht und es war ganz einfach :) Kostenloser TV Sender mit einer Reichweiter von 2cm ;) Kanal zwischen 30 und 40.

TV

Nein, gleich vorweg, lasst die Finger von der Hochspannung! Ja ich weiss, die meisten haben schonmal eine geschossen bekommen ;) 230V haben euch auch nicht umgebracht (ich lebe auch noch) aber 30kV-40kV zwingen euch ganz sicher in die Knie! Das ist nicht so, wie als ob man sich an der Tuerklinke entlädt. Da steck ordentlich Power dahinter.

Aber das soll uns ja nicht daran hindern, den TV auszuschlachten, man findet:

  • Fernbedienungsempfanger
  • Audioverstaerker / Lautsprecher
  • Kondensatoren, teilweise bis 400uF bei 400V
  • MOSFETS
  • Leistungstransistoren
  • Transformatoren
  • Quarze / Filter / Kuehlkoerper / jede Menge HF tauglichen Kleinkram eben
  • HV-/Hochstromdioden
  • Hochleistungswiderstände

Edit: Die Hochspannung ist nicht sehr gefährlich weil sie keine so hohe Stromstärke aufweist!!!! Anfassen würde ich das aber auch nicht!

Diese Aussage trifft nur auf Kleinstgeneratoren wie Piezoelemente und ähnliches zu. Hochspannungsgeneratoren, wie sie z.B. in Monitoren und Fernsehern zu finden sind, erzeugen eine ausreichende Leistung, um zumindest gefährliche Verletzungen zuzufügen. Zudem speichern zum Beispiel Kondensatoren große Energiemengen und sind in der Lage, diese innerhalb kürzester Zeit abzugeben. Zuletzt sei noch angemerkt, das Gleichstrom wesentlich gefährlicher ist als Wechselstrom, da es zur Elektrolyse von z.B. Blut kommen kann. Die Nieren können die entstandenen Giftstoffe nicht abbauen und Nierenversagen/Blutvergiftung kann zum Tode (auch Tage später) führen. Stomfluß durch Wechselspannung kann bei entsprechender Frequenz/Einwirkdauer zu Herzkammerflimmern führen, was den unmittelbaren Tod bedeutet. Hoher Stromfluß führt zu einer Verkrampfung sämtlicher Muskeln; man ist nicht mehr in der Lage, die stromführenden Leitungen los zu lassen.

DVD-Player

  • Schalt-Netzteilplatine, die einige Standard-Spannungen liefert: oft 3,3 V, 5 V, 12 V. Diese Zweige sind relativ hoch belastbar. Evtl. stellt das Modul auch noch negative Spannungen bereit (die aber in der Regel nur mit 100 mA belastbar sind). Viele DVD-Player lassen das Netzteil auch im Standby-Modus laufen, es gibt keine gesonderte Spannungsquelle für den Standby (wie z. B. im ATX-Netzteil aus PCs). Dementsprechend muss man sich nicht auf die Suche nach einer Steuerleitung machen, die Netzteil einschaltet. Wie bei PC-Netzteilen überprüft die Regelelektronik nur einen Spannungszweig (meistens den stromstärksten). Daher ist zu beachten, dass bei nicht ausgewogener Belastung die unterschiedlichen Ausgänge stark variieren können.
  • SD-RAM-Speicher: im Zuge der sich weiter verbreitenden ARM-Prozessoren werden auch SD-RAM-Chips für Hobbyisten interessant. Es gibt wohl keine bessere Quelle als den Schrottplatz dafür. Sie regulär zu kaufen ist nicht ganz einfach.
  • Scart- und Cinch-Buchsen
  • TOSLINK-Module (Digital-Audio-Datenübertragung über LWL)
  • IR-Empfänger
  • alte DVD-Player enthielten ein komplettes IDE-DVD-ROM, das man durchaus im PC einsetzen kann (abgesehen davon, dass man es schlecht montieren kann und dass es nicht staubgeschützt ist)

Einwegkameras

Alte Platinen aus Einwegfotos gibt es meist im Fotogeschäft des Vertrauens auf freundliche Nachfrage.

  • Linsen, teilweise in Halterungen
  • Blitzschaltungen, darauf:
  • Minizündspulen
  • Quarze
  • Übertrager (Sperrschwinger)
  • Kondensatoren (80 - 120 uF bei 320 V, schaltfest=kurzschlussfest!, Achtung, fast immer ist eine Restladung vorhanden)
  • Glimmlampen/LEDs
  • Batteriehalter 1xAA
  • Hochfrequenztransistoren
  • Federn
  • Zahnräder mit „Skalen“

MP3-Player

  • Bei Playern mit fest eingebautem Akku ist dieser oft gut zu gebrauchen. Es sind meist schön kleine Lithium-Akkus (zb 20x35x5mm, 3,7V, 250mAh). Optimal für kleine Roboter. Wenn man kein passendes Ladegerät hat und die Ladeschaltung im Player noch funktioniert (zb wenn der Player wegen Displayschaden Schrott ist), kann man die Player-Elektronik zum Laden verwenden, den Akku über eine Steckverbindung anschließen und 5V am USB-Port einspeisen.

Camcorder

  • Linsensystem welches über Motoren angesteuert werden kann.
  • Mittelgroßes LC-Display welches sich je nach Controller mehr oder weniger schwer ansteuern lässt.
  • Starke Li-Akkus mit idR. 2000mah-5000mah und 7,4V mit integrierter Ladeelktronik, ideal für Roboter und Slowflyer

Energiesparlampen

In der Röhre ist etwas Quecksilber. Den weissen Staub nicht auf den Kuchen pusten. Giftig!

  • FET's
  • 200V Kondensatoren (VORSICHT könnte noch geladen sein!)

TFT'

  • Kleine Lautsprecher
  • Mehrere Leuchtstofflampen + Inverter für meistens 12V
  • Alternativ auch Leuchtfolien mit Inverter.

Diskussion

BloodstarBloodstar, 2008/09/13 11:50

Wow das ist ja mal nett =) Klasse seite habt ihr da zusammengebastelt.

Wie siehts den aus mit der Beleuchtung von „alten“ bzw defekten TFTs?

Markus BurrerMarkus Burrer, 2008/09/13 16:13

Keine schlechte Idee. Könnte man zb als „Hintergrundbeleuchtung“ von Bildern nehmen oder ähnliches. Nur leider hab ich keinen defekten TFT zur Verfügung um das auszuprobieren. Falls da jemand was dazu sagen/schreiben kann möge er das auf dieser Seite tun

katerkater, 2008/09/13 17:23

In den Bildschirmen gibt es zwei odere mehr kleine Leuchtstoffröhren mit Inverter die auch meist bei 12V laufen.

g2lg2l, 2009/05/08 15:19

„Nein, gleich vorweg, lasst die Finger von der Hochspannung! Ja ich weiss, die meisten haben schonmal eine geschossen bekommen ;) 230V haben euch auch nicht umgebracht (ich lebe auch noch) aber 30kV-40kV zwingen euch ganz sicher in die Knie!“

Was ist das den für eine Aussage!? Ich wage zu bezweifeln, das du jemals volle 230V auch nur 1 Sekunde abbekommen hast. Dann hättest du diesen Artikel nicht verfassen können!

Ab 50V wird es Wechselspannung wird es bei 0,04 Sekunden für einen Menschen Lebensgefährlich!

Ansonsten gute Idee!

katerkater, 2009/06/07 23:07

Bin mir nicht mehr sicher, ob ich das mal geschrieben habe. Aber es kommt nicht nur auf die Zeit, sondern auch auf den Widerstand und vorallem, durch welche Körperteile der Strom fliest.

Ne Sekunde hatte ich schon locker.. nur nicht übers Herz.

Geben Sie Ihren Kommentar ein (Wiki-Syntax ist zugelassen):
Wenn Sie die Buchstaben auf dem Bild nicht lesen können, laden Sie diese .wav Datei herunter, um sie vorgelesen zu bekommen.
/www/htdocs/w00645de/dokuwiki/data/pages/elektronik/edelschrott.txt · Zuletzt geändert: 2010/01/10 18:49 von 94.219.147.81
www.chimeric.de Creative Commons License Valid CSS Driven by DokuWiki do yourself a favour and use a real browser - get firefox!! Recent changes RSS feed Valid XHTML 1.0